Buchempfehlungen, Reviews & Briefe an die Autor*innen

The German Girl von Ulrike Sterblich

The German Girl von Ulrike Sterblich

The German Girl wurde von der deutschen Schriftstellerin und Politologin Ulrike Sterblich geschrieben. Bei The German Girl handelt es sich um ihr zuletzt erschienenes Buch. Durch ihren Schreibstil und die Vermischung von Realität und Fiktion gelingt es ihr, fantasievolle Bilder in die Köpfe der Leser*innen zu zaubern. Dadurch erschafft sie eine Aufnahme der New Yorker 1960er Jahre, die schillernd, skurril und so spannend ist, dass man sich wünscht, diese Zeit selbst miterlebt zu haben.


Liebe Ulrike,

The German Girl hat mich für einige Tage in eine andere Welt entführt. Da ich noch nie zuvor über die sogenannten „Dr. Feelgoods“ gehört hatte, hielt ich das Buch zuerst für eine fiktionale Geschichte – bis ich bemerkte, dass allerhand real existierende berühmte Persönlichkeiten dort Erwähnung finden. Teilweise wird die Geschichte sogar aus ihren Perspektiven geschildert. Erst dann wurde mir klar, dass es sich bei The German Girl nicht nur um ein Fantasiegebilde handelt, sondern die Geschichte und Charaktere um die Hauptfigur Mona in historische Gegebenheiten hineingesetzt und eingewebt werden. Monas Erlebnisse stellen einen von zwei Erzählfäden dar, die im Buch fließend ineinander übergehen.

Mona, ein Model mit deutschen Wurzeln, das nach New York zieht, um dort Karriere zu machen und ihr Glück zu finden, ist jung, hübsch und oft sprunghaft. Ihr Charakter wirkt sehr liebenswert und bietet viele Berührungspunkte, mit denen man sich identifizieren kann. Durch diesen Identifikationsprozess hat man das Gefühl, selbst Teil der aufregenden 1960er Jahre in New York zu sein. Durch den Schreibstil des Buches wirkt die Zeit in The German Girl wie ein einziger langanhaltender Rausch – schnelllebig, bunt, willkürlich und vor allem skurril. Mona fliegt ein Kakadu zu, der sich mit der Katze ihrer Nachbarin anfreundet, macht Bekanntschaft mit ihrer Doppelgängerin und einem stinkenden Guru, fühlt sich zu zwei verschiedenen Männern hingezogen und kauft das geheimnisvolle Parfüm „Berlin“, das wie auf sie zugeschnitten ist und dessen Verkäuferin trotz ausgiebiger Suche wie vom Erdboden verschluckt scheint. Im Sog des New Yorker Nachtlebens lernt sie die beiden „Dr. Feelgoods“ Max Jacobson und Robert Freymann kennen.

Sie gingen schnell, dynamisch, wie Teilnehmer einer aufwendigen Choreographie, in der sie manche Passanten überholten, mache ihnen entgegenkamen und manche abbogen in Seitenstraßen, Hauseingänge oder Restaurants, während wieder andere neben ihnen in Autos vorbeibrausten oder hoch über ihren Köpfen in den Häusern saßen, lagen, standen, schliefen, Musik hörten, sich liebten. Als Teile bewegten sie sich durch das Ganze […]

S. 106

Hier setzt auch der zweite Erzählfaden an. Er schildert den Tod des berühmten Fotografen Marc Shaw 1969, dessen Ursache sich nach einer späten Autopsie als eine chronische intravenöse Amphetaminvergiftung herausstellte. Anschließend geht es um die investigative Aufarbeitung der Ursache, die im Zusammenhang mit den sogenannten „Dr. Feelgoods“ steht. Die Ärzte versorgten damals die High Society New Yorks unter dem Deckmantel der Medizin mit Speed. Max Jacobson soll unter anderem sogar Kennedy behandelt haben und die Beatles widmeten „Dr. Robert“ aka Dr. Freymann sogar einen Song. 

Während des gesamten Buchs beschlich mich das Gefühl, Mona spiele mit dem Feuer. Jedoch hinterlässt dieses Spiel kein negatives Gefühl. Vielmehr fühlt es sich an wie ein Tanz am Abgrund, verlockend, voller Spaß und doch mit der Gefahr verbunden, hinunterzufallen. The German Girl schafft es also, Spannung, Kreativität und Information in einem Buch zu vereinen. Danke, Ulrike, dass du dieses Buch geschrieben hast. Ich empfehle das Buch allen, die gerade das Bedürfnis danach haben, dem Corona-Trott und den aktuellen politischen Geschehnissen zu entkommen und vorübergehend in eine andere, schönere Welt eintauchen wollen!

Magda


Das war mein Review des Buches „The German Girl“ von Ulrike Sterblich. Für die neuesten Updates, weitere Rezensionen und Buchempfehlungen folgt mir gern auf Instagram.

1 Response

  1. Nicht nur das Buch scheint ziemlich lebendig zu sein, das gilt auch für deine Rezension. Sie macht auf jeden Fall neugierig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert